person_pin_circleAn den Dominikanern 3, 59494 Soest    +49 2921 369529   info@ergotherapie-soest.de

Ergotherapeutische Praxis

für Entwicklungsförderung, Prävention

und Gesundheitsmanagement

Neurofeedback

Eine der wichtigsten Aufgaben des Gehirns ist es, fortlaufend eine bestimmte Balance zwischen neuronaler Erregung und Hemmung aufrechtzuerhalten. Störungen dieser Balance (Fehlregulation) haben häufig psychische und physische Probleme zur Folge. Prinzipiell kann der Mensch jedoch lernen, alle Körperfunktionen zu verändern, über die er eine positive Rückmeldung zwischen seinem Vorhaben und dem was er erreicht hat (operante Konditionierung) erhält.

Bei allen Zuständen in denen eine Fehlregulation der Balance zwischen neuronaler Erregung und Hemmung vorliegen, wird Neurofeedback vermehrt eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Methode, welche die Fähigkeit zur Selbstregulation im zentralen Nervensystem verbessert. Seit Jahren wird Neurofeedback erfolgreich in der Schweiz und in den USA zur Behandlung verschiedener psychischer und physischer Fehlregulationen eingesetzt.

Neurofeedback Neurofeedback Neurofeedback Neurofeedback
Einsatzbereiche von Neurofeedback sind zum Beispiel: ADHS / ADS, Autismus, Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, bipolare Störungen, chronische Schmerzzustände oder Rehabilitation nach Hirnverletzungen

Neurofeedback – Kurz erklärt:

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine spezielle Richtung des Biofeedbacks und eine fortschrittliche Methode um gezielt die Selbstregulation der Gehirnaktivitäten zu fördern.

Zwischen den Aktivitätsmustern der Nervenzellen im Gehirn und dem eigenen Verhalten (Erregungs-, Konzentrations- und Entspannungszuständen) bestehen direkte Zusammenhänge. Verändern sich die Aktivitätsmuster im Gehirn können auch Veränderungen der Verhaltensmuster bewirkt werden.

Das Neurofeedback arbeitet auf der Grundlage der gemessenen Gehirnaktivitäten (EEG) in der Verbindung mit einem Computerprogramm für das Feedback. Das Gehirn des Patienten lernt sich selbst zu regulieren und so in den jeweiligen Situationen die Erregungs- und Entspannungszustände besser zu nutzen.

Vorteile des Neurofeedback

Durch das Neurofeedback werden bestimmte Gehirnregionen gezielt angesprochen – so können Symptome einiger neurologischer Erkrankungen positiv beeinflusst werden.

Mit dem Neurofeedback werden nicht nur die Symptome beeinflusst, sondern es setzt an den Ursachen einer Erkrankung an.

Neurofeedback hat keine nachgewiesenen Nebenwirkungen.

Die Behandlung ist in der Regel zeitlich begrenzt und umfasst ca. 20 – 40 Behandlungstermine.

Neurofeedback ist bei ADHS eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie. Studien zeigen, dass die Medikamentendosen durch eine Neurofeedbackbehandlung deutlich reduziert werden können.

Wie funktioniert das Neurofeedback?

In der Neurofeedbackbehandlung werden die elektrischen Aktivitäten des Gehirns gemessen. Hierfür bekommt der Patient Elektroden am Kopf angelegt.

Die gemessenen Aktivitätsmuster werden in einem Computer, der mit zwei Monitoren verbunden ist, in Echtzeit ausgewertet.

Auf einem der Monitore verfolgt der Therapeut direkt die Aktivitätsmuster des Gehirns. Der Patient sieht auf dem anderen Monitor eine altersentsprechende Animation (Computerspiel oder Film). In der Animation ist gemäß den Gehirnaktivitäten das Feedback angepasst.

Kommt es während einer Sitzung zu einer positiven Veränderung (d.h. eine Intensivierung oder Verminderung der Aktivitätsmuster) der Gehirnaktivtäten, erhält das Gehirn über den Monitor (visuell) direkt eine Belohnung.

Durch das visuelle und akustische Feedback erlernt das Gehirn des Patienten die situative gezielte Selbstregulation – so können langfristig stabile Erregungs- und Entspannungszustände erzeugt werden.

Neurofeedback – Ausführliche Definition

Das Neurofeedback ist eine spezielle Form des Biofeedback. Das Biofeedback wiederum ist eine wissenschaftlich fundierte Methode (RIEF / BIRBAUMER 2006, MARTIN / RIEF 2009), die es ermöglicht, nicht direkt wahrgenommene und nicht bewusst gesteuerte Körpersignale zu beeinflussen.

Beim Neurofeedback lernt der Patient über die rückgemeldeten Signale (Feedback) das Verhältnis zwischen Erregung und Hemmung des neuronalen Zustandes zu verändern (Selbstregulation). Kleinste Veränderungen werden sofort gemessen und dem Patienten gespiegelt. Bei dem Prinzip der operanten Konditionierung lernt das Gehirn auf der Grundlage des Feedbacks (rückgemeldetes Signal), das Verhältnis zwischen Erregung und Hemmung des neuronalen Zustands in die gewünschte Richtung zu verändern. Jede Veränderung des Feedbacks in die richtige Richtung wird durch einen positiven Verstärker gefördert. Die positiven Verstärker sind beim Neurofeedback auditiv, visuell und/oder kinästhetisch.

Diese effiziente Neurofeedback-Methode wurde in den letzten 25 Jahren von Sue und Siegfried Othmer in der eigenen Klinik für Neurofeedback in den USA entwickelt (OTHMER / OTHMER 2008).

Sue und Siegfried Othmer entwickelten ihren Ansatz im Neurofeedback ausgehend vom SMR-Frequenzband-Training anhand der Kriterien des klinischen Erfolgs weiter (OTHMER / OTHMER 2009). Sie blieben nicht an gängigen Feedbackparametern hängen, sondern die zurückgemeldeten Frequenzen wurden systematisch weiter verändert, um die Effekte des Neurofeedbacks zu optimieren. Im Laufe dieser Entwicklung zeigte es sich, dass die passende Belohnungsfrequenz nicht von der jeweiligen Diagnose abhängig war, sondern von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein konnte. Dies bedeutete für Sue und Siegfried Othmer, dass bei der Neurofeedback-Behandlung eine optimale Belohnungsfrequenz für jeden Patienten individuell gefunden werden musste.

Dieser Prozess der Bestimmung der optimalen Belohnungsfrequenz erfordert therapeutisches Können, denn die individuelle Belohnungsfrequenz lässt sich nicht von den EEG-Parametern ablesen. Der Neurofeedback-Therapeut tastet sich anhand der Veränderung der jeweiligen Symptome an die optimale Belohnungsfrequenz heran, um den Erregungslevel des zentralen Nervensystems zu optimieren. Für einige Patienten ist der Effekt der Symptomregulierung während der Neurofeedback-Sitzung spürbar, bei anderen Patienten ist der Effekt erst nach der Behandlung spürbar. Von Sitzung zu Sitzung wird der Effekt beurteilt und die optimale Belohnungsfrequenz wird entsprechend angepasst.

Der Neurofeedback-Therapeut beurteilt anhand der beobachteten und beschriebenen Symptome des Patienten, ob diese auf eine Untererregung, eine Übererregung oder Instabilität des betreffenden Nervensystems hindeuten.

In der Othmer-Methode wird unterhalb der klassischen Frequenzbänder die Neurofeedback-Behandlung (bei < 0,001 Hz) durchgeführt. In diesem Frequenzbereich werden die besten klinischen Effekte bei den Patienten erzielt. Der Neurofeedback-Therapeut stellt das gewünschte Feedback (auditiv, visuell und/oder kinästhetisch) ein, passt die optimale Belohnungsfrequenz dynamisch an und konzentriert sich auf den Patienten.

Die Othmer-Methode unterscheidet sich von den anderen Neurofeedback-Methoden in der Anordnung der Elektroden. Für die Othmer-Protokolle wird an Stelle einer  unipolaren eine bipolare Ableitung verwendet. Deshalb wird die Othmer-Methode oft auch als „Bipolares-Training“ bezeichnet.

Die bipolare Anordnung bedeutet, dass zwei Elektroden über verschiedene Kortexbereiche angebracht werden, d.h. es werden die Unterschiede zwischen zwei Kortexbereichen ermittelt. Es hat sich empirisch gezeigt, dass die Art der bipolaren Ableitung, die Informationen darüber zurückmeldet, wie die jeweiligen Regionen im Verhältnis zueinander arbeiten, effektiver ist (OTHMER / OTHMER 2007). Für die Neurofeedback-Behandlung nach der Othmer-Methode werden nur drei Elektroden benötigt und die Patienten werden nicht durch eine Elektrodenkappe oder unnötiges Ankleben vieler Elektroden belastet.

Ein Behandlungszyklus im Neurofeedback nach der Othmer-Methode umfasst 20 Termine von jeweils ca. 45 – 60 Minuten. Zu Beginn des Behandlungszyklus soll eine Verbesserung der Selbstregulation (Verbesserung der Balance zwischen der Erregung und der Hemmung der neuronalen Zustände) erreicht werden. Dadurch wird eine Vielzahl von Symptomen erfolgreich reduziert. Weitere Symptome werden dann durch spezielle Elektrodenplatzierungen spezifisch behandelt.

Das Feedback in der Neurofeedback-Behandlung ist kontinuierlich und dynamisch. Der Patient bekommt nicht nur dann eine Belohnung, wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht wird, sondern der Anstieg und Abfall der Amplitude im Belohnungsband korreliert mit dem Feedback. Bei einem Feedback fliegt ein Flugobjekt (z.B. Rakete, Flugzeug oder Raumschiff) durch verschiedene Tunnel. Steigt die Amplitude im Belohnungsfrequenzband an, so fliegt das Flugobjekt schneller, fällt die Amplitude ab, so fliegt das Flugobjekt langsamer. Das bedeutet, dass bei der Othmer-Methode der Patient kein Feedback für das Erreichen bestimmter Schwellenwerte bekommt, sondern das Feedback dynamisch auf jede noch so kleine Veränderung in der Selbstregulation reagiert.

Damit das Feedback dynamisch reagiert, sind die Bereiche des Feedbacks um einen Schwellenwert (in zehn schmalen Bändern über das gesamte Frequenzband) angeordnet, der sich kontinuierlich der individuellen Situation anpasst. Bei einem zu großen Anstieg mit Überschreitung der Inhibit-Schwellenwerte wird in dem Beispiel mit dem Flugobjekt das gesamte Bild verdunkelt. Das Feedback wirkt intuitiv, so dass der Patient keine kontinuierlichen Anweisungen des Neurofeedback-Therapeuten benötigt oder verstehen muss. So können auch Patienten mit wenig Sprachkompetenz wie z.B. Autisten oder sehr kleine Kinder mit der Othmer-Methode behandelt werden.

Neben der bipolaren Neurofeedback-Behandlung gehört die klassische Alpha-Theta-Behandlung (Tiefenzustandstraining) zur Othmer-Methode. Sie wird jedoch erst nach einer voran gegangenen bipolaren Behandlung und der Stabilisierung der Symptome bei z.B. posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt.

Das Neurofeedback nach der Othmer-Methode ist eine sehr stark patientenorientierte Methode, bei der es nicht darum geht,  in „gute“ und „schlechte“ Frequenzen einzuteilen oder das EEG zu „reparieren“. Es geht darum, dem Gehirn durch das Feedback eine Art Spiegel zu bieten, mit dessen Hilfe es lernt, sich besser zu regulieren, flexibler in andere Erregungszustände zu wechseln und verschiedene Zustände auch dauerhaft stabil beizubehalten.

Die Ergebnisse werden durch genaue Verfolgung der Symptome und entsprechende Leistungstests beurteilt. Die vorhandenen Symptome und Schwierigkeiten des Patienten weisen den Weg für die Elektrodenplatzierung und das Finden der optimalen Belohnungsfrequenz.

Weitere Informationen über das Neurofeedback nach der Othmer-Methode finden sie unter: www.eeginfo-neurofeedback.de In den letzten Jahren wurden einige hunderte Studien durchgeführt, es gibt viele Publikationen: www.eeginfo.ch/de/neurofeedback/research.html