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Ergotherapeutische Praxis

für Entwicklungsförderung, Prävention

und Gesundheitsmanagement

CO-OP & COSA
Befundungsinstrumente des Modells der menschlichen Betätigung (MOHO-Model of Human Occupation)
Cognitive Orientation to daily Occupational Performance (CO-OP)

Die Bezeichnung CO-OP steht für die Kognitive Orientierung bei der alltäglichen Betätigungsausführung. Mit der Kurzform soll die Kooperation zwischen Kind und Therapeutin bei der Intervention betont werden.

CO-OP ist eine klientenzentrierte, ausführungsbasierte Problemlösungsmethode, die den Erwerb von Fertigkeiten mithilfe von Strategieanwendung und geleiteter Entdeckung ermöglicht. Das CO-OP basiert auf einem Lernparadigma, das sich von der traditionellen defizitär orientierten Sicht auf Performanceprobleme absetzt und sich einer neueren lernorientierten Sicht zum Erwerb von motorischen Fertigkeiten zuwendet.

Betätigungsausübung

Der klientenzentrierte Ansatz ist Teil des Fundaments der Ergotherapie wegen ihrem Fokus auf die Betätigung und der Befähigung dazu. Der Fokus des CO-OP liegt auf der Betätigungsausführung, denn sie ist das primäre Medium des Ansatzes und das oberste Ziel.

Der Begriff Betätigung, wie er in der Ergotherapie benutzt wird, entspricht dem ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) – Konzept von Aktivität und Partizipation.

„Betätigung bezieht sich auf Gruppen von Aktivitäten und Aufgaben des täglichen Lebens. Betätigung ist alles, was Menschen tun, um sich selbst zu versorgen (Selbstversorgung), um das Leben zu genießen (Freizeit)“.

Betätigung wird in der Ergotherapie als ein menschliches Grundbedürfnis, und erfolgreiche Betätigung wird als wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden des Einzelnen angesehen. Betätigung dient dazu, die eigene Identität auszudrücken, verbindet Menschen miteinander, verknüpft sie mit ihrer Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, und es strukturiert ihre Zeit.

Die Wirksamkeitsnachweise haben gezeigt, dass dies nur dann zutrifft, wenn man sich auf verschiedene Weise betätigen kann, wenn man auswählen und die Betätigung steuern kann und wenn man dadurch das Gefühl bekommt, Erfolg zu haben.

Kognitive Verhaltensmodifikation

Die Grundlage der kognitiven Verhaltensmodifikation ist die Annahme, dass Denkmuster Verhalten hervorrufen. Daher konzentriert sich die Therapie darauf, Denkmuster zu lehren, die ein erwünschtes Verhalten oder eine Fertigkeit unterstützen.

Als kognitiver Verhaltensansatz wurde das Selbstinstruktions-Trainingsprogramm (SIT) entwickelt, das helfen soll, Verhalten zu ändern, indem die Personen innerlich mit sich selbst reden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Problemlösen, Begründen und Denken, um das Erlernen von Fertigkeiten zu fördern. Die Befehlsstrategie ZIEL-PLAN-TU-CHECK wurde als Rahmen für die Intervention benutzt. Diese Problemlösestrategie wird als Leitlinie für das Selbstgespräch benutzt und steht im Zentrum dieses Ansatzes. Die Strategie nutzt metakognitive Fähigkeiten und ermuntert den Menschen, Fortschritte in Bezug auf das Ziel zu reflektieren.

Strategieanwendung und Problemlösen

Strategieanwendung – und besonders die Anwendung von Problemlösestrategien – ist eine Schlüsselkomponente im CO-OP – Ansatz. Für alle zu erlernenden Strategien ist es wichtig, dass es für den Lernenden die Möglichkeit gibt, Problemlösungen zu üben, die sich neu entwickeln. Dem Lernenden muss ein glaubhaftes Rollenmodell oder ein überzeugendes Argument geboten werden.

Verschiedene Lehrmodelle können sein:

  • den Wert von Strategien für die Ausführung diskutieren und klären
  • nur wenige Strategien auf einmal ausführen, um Überlastung zu vermeiden
  • Strategieanwendung üben und vormachen
  • Rückmeldung über Strategieanwendung zur Bewertung ihrer Wirksamkeit geben
  • nach Gelegenheiten suchen, Strategien auf neue Situationen zu übertragen
Generalisierung und Transfer

Die Schlüsselkonzepte beim Lernparadigma sind Generalisierung und Transfer.

Generalisierung des Lernens bezieht sich darauf, wie weit eine bestimmte Fertigkeit, die in einem speziellen Kontext gelernt wurde, in einem anderen Kontext ausgeführt werden kann.

Transfer von Lernen bezieht sich darauf, wie weit das Erlernen einer Fertigkeit das Erlernen einer anderen beeinflusst.

Generalisierung und Transfer erlauben dem Kind, sich auf frühere Erfahrungen zu beziehen, wenn es die gleiche oder eine ähnliche Fertigkeit in einem anderen Kontext ausführt. Der Grad der Generalisierung wird durch die Art des Lernens, durch den Grad des Lernens, den Grad von Ähnlichkeiten zwischen den Kontexten und durch Motivation bestimmt. Generalisierung kann daher verbessert werden, indem man die Bedingungen, unter denen jemand lernt, variiert und dabei sicherstellt, dass gut gelernt und die Fertigkeit gut motiviert in verschiedenen abgestuften Zusammenhängen geübt wird.

Transfer und Generalisierung können meist auf die gleiche Weise gefördert werden.
  • Direkte Rückmeldung über die Fertigkeit und darüber geben, wie weit sie anderen ähnlich ist
  • Information über die Brauchbarkeit der Fertigkeit geben
  • Die Art der Übungen variieren, um die Möglichkeit zur Variation der Fertigkeit zu geben
  • Schwierigkeitsgrad von Umfeld und Situation schrittweise steigern
  • Feedback zurückhaltend einsetzen, damit der Patient sich mehr auf eigene sensorische Rückmeldung verlassen muss und nicht von der Rückmeldung der Therapeutin abhängig wird
Die Ziele von CO-OP
  • der Erwerb von Fertigkeiten
  • der Einsatz von Strategien
  • die Generalisierung des Lernens
  • der Transfer

Für den Erfolg der Methode ist es von wesentlicher Bedeutung, dass Kind und Therapeut dabei voll engagiert sind. Das Erwerben von Fertigkeiten ist das Hauptziel des CO-OP und steht bei der Intervention meist im Vordergrund. In dieser ausführungsbasierten Methode lernen Kinder das Ausführen von drei spezifischen Fertigkeiten. Es handelt sich dabei immer um Alltagsfertigkeiten, die sie in der Schule, zu Hause und beim Spielen brauchen oder die sie gern beherrschen möchten. In jedem Einzelfall wählt das Kind in Zusammenarbeit mit den Eltern aus, welche Fertigkeiten gelernt werden sollen.

Der Einsatz kognitiver Strategien ist ein zweiter wesentlicher Bestandteil der Methode. Die Kinder sollen dazu gebracht werden, selbst Strategien zur Lösung von Performanceproblemen einzusetzen. Sie lernen Strategien kennen und sie lernen darüber hinaus, eigene Strategien zu entdecken und zum Erwerb von Fertigkeiten zu nutzen.

Generalisierung über die Therapiesituation hinaus ist in einer lernbasierten Methode besonders wichtig. Die Kinder sollen dazu gebracht werden, ihre neu erworbenen Fertigkeiten und Strategien außerhalb der Therapiestunden und ohne Hilfe der Therapeutin in Alltagssituationen einzusetzen. Beim Transfer, der Übertragung auf das Lernen anderer ähnlicher Fertigkeiten, sollen die Kinder in die Lage versetzt werden, das Gelernte auf andere Probleme zu übertragen, die ihnen begegnen können.

Sieben Hauptmerkmale des CO-OP
  1. vom Klienten gewählte Ziele
  2. Dynamische Ausführungsanalyse (DPA)
  3. Anwendung kognitiver Strategien
  4. geleitete Entdeckung
  5. Befähigungsprinzipien
  6. Beteiligung der Eltern/wichtiger Bezugspersonen
  7. Interventionsformat

Wir sprechen hier die Hauptmerkmale Anwendung kognitiver Strategien und Beteiligung der Eltern/wichtiger Bezugspersonen an.

Hauptmerkmal 3Anwendung kognitiver Strategien

Eine globale kognitive Strategie, auch Leitstrategie genannt, ist eine übergeordnete Strategie, die angewandt wird, um andere Strategien zu steuern und zu koordinieren.

Die im CO-OP aufgenommene Strategie „ZIEL-PLAN-TU-CHECK“ soll zur Strukturierung des Gesprächs über Fertigkeiten und metakognitive Funktionen fördern. Sie soll Kinder dazu bringen, sich selbst ein Ziel auszuwählen, einen Plan zu entwickeln, den Plan auszuführen und das Ergebnis einzuschätzen. Diese Problemlösungsstrategie soll zunächst von einem kompetenten Erwachsenen vorgestellt, dann von einem Kind laut nachgesprochen, dann internalisiert und schließlich von dem Kind im inneren Monolog memoriert werden.

Hauptmerkmal 6Beteiligung der Eltern/wichtiger Bezugspersonen

Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben erkannt, wie wichtig die Einbeziehung der Eltern in die Pflege und Therapie ist und haben diesen hohe Priorität eingeräumt. In Studien, die vom „Human Resources Development Canada“ gefördert wurden, wird festgestellt, dass man bei der Behandlung von Kindern die Unterstützung durch die Eltern einplanen und diese entsprechend anleiten solle. Im CO-OP werden die Eltern und wichtige Bezugspersonen aufgerufen, als aktive Unterstützer am Interventionsprozess mitzuwirken.

Die Einbeziehung der Eltern und anderer Bezugspersonen ist für alle vier Hauptziele des CO-OP wichtig, ganz besonders jedoch zur Unterstützung des Kindes bei dem Erwerb neuer Fertigkeiten, sowie der Ermöglichung von Generalisierung und Transfer dieser Fertigkeiten.

Studien haben gezeigt, dass Schüler bessere Schulleistungen bringen können, wenn die Eltern stark einbezogen werden. In der Verhaltenstherapie haben Nachfolgeuntersuchungen gezeigt, dass Kinder, deren Eltern verhaltenstherapeutische Techniken gelernt haben, auch nach Abschluss der Behandlung Fortschritte erkennen ließen und dass sie Generalisierungen und Transfer in Gebiete vornahmen, die nicht speziell in der Therapie behandelt worden sind.

Beim CO-OP sorgt der Therapeut dafür, dass die Eltern durch Beobachtung und Diskussion die entscheidenden Ideen des CO-OP kennenlernen und Befähigungsprinzipien umsetzen können. Sie schließt Eltern und andere Bezugspersonen bei dem Fertigkeitserwerb, der Strategieanwendung, Generalisierung und Transfer des Erlernten außerhalb der Therapieeinheiten als Mitwirkende ein. Zu Beginn wird ihnen das CO-OP vorgestellt und erklärt, welche Rolle Motivation und Aufgabenkenntnis spielen. Sie werden gebeten, zusammen mit ihrem Kind den Aktivitätsbogen auszufüllen und dem Kind bei der Auswahl der drei Ziele zu helfen. Die Eltern sollen bei mindestens drei Terminen dabei sein, können aber auch gern häufiger kommen.

Das „Child Occupationel Self Assessment“ (COSA)

Das COSA ist ein klientenzentriertes Befunderhebungsinstrument und dient der Dokumentation des Behandlungsverlaufes. Es soll die Selbsteinschätzung von Kindern im Hinblick auf ihre Betätigungs-kompetenzen und die Wichtigkeit von alltäglichen Schwächen erfassen. Dabei setzt sich das Kind mit seinen Stärken und Schwächen bei der Ausführung von Betätigungen auseinander und kann diese darstellen. Es bietet die Möglichkeit, nicht nur Teilelemente auf der Funktionsebene, wie z.B. Gleichgewichtsunsicherheiten oder feinmotorische Störungen zu betrachten, sondern den ergotherapeutischen Befund stärker an der Betätigung des Kindes im Alltag zu orientieren.

Der Einsatz sollte sich nicht nur auf die Erhebung von Daten beschränken, sondern es dient vielmehr dazu, den Therapieprozess gemeinsam mit dem Kind zu gestalten und es gleichberechtigt mit in die Therapieplanung einzubeziehen.

Das COSA kann fach- und diagnoseübergreifend eingesetzt werden. Die Anwendung ist nicht auf eine spezielle Klientengruppe begrenzt. Das COSA ist geeignet für Kinder, die
  • zwischen 8 und 13 Jahre alt sind
  • über ausreichende kognitive Fähigkeiten verfügen, um das eigene Handeln zu reflektieren
  • an der Entwicklung der Therapieziele mitmachen möchten
Das COSA ist ungeeignet für Kinder, die
  • große Schwierigkeiten im Bereich der Aufmerksamkeit haben
  • eine mangelnde Einschätzung bzgl. ihrer Stärken und Schwächen aufweisen
  • starken Förderbedarf im kognitiven Bereich haben
Das COSA setzt sich aus verschiedenen Arbeitsmaterialien zusammen
  • Der Selbsteinschätzungsbogen COSA wird von dem Kind ausgefüllt. Er beinhaltet die Auflistung von alltagsrelevanten Betätigungen.
  • Die Kartenversion mit dazugehörigem Beispielbogen kann ggf. anstelle des Selbst-einschätzungsbogens verwendet werden.
  • Der Zusammenfassungsbogen ermöglicht eine übersichtliche Darstellung der Antworten des Kindes (und der Eltern) vom Selbsteinschätzungsbogen.
  • Der Erklärungsbogen gibt dem Therapeuten Hilfestellung bei der näheren Erläuterung der Items zu den einzelnen Betätigungen
  • Der Elternfragebogen zum COSA wird von den Eltern ausgefüllt und enthält dieselbe, umformulierte Auflistung alltagsrelevanter Betätigungen wie das COSA.
  • Der Ergebnisbogen dient dazu, das Gespräch zu strukturieren und sich Notizen zu machen. Der Therapeut kann durch ein Kreuz Stärken des Kindes kenntlich machen und an welchen Punkten gearbeitet werden soll. Am Ende des Ergebnisbogens werden gemeinsame Ziele dokumentiert.
  • Der Ergotherapieplan wird gemeinsam von Kind und Therapeut ausgefüllt. Anhand des Bogens können mit dem Kind die Ziele übertragen und der Behandlungsplan besprochen werden. Er gleicht einer Art Vertrag für Kind und Therapeut.